Durchbruch beim Jugendtraining

Fußballeltern von Hassia Bingen setzen sich mit Erfolg für den Nachwuchs im Kreis ein und vermitteln zwischen den Behörden.

Von Martin Imruck
Autor (Allgemeine Zeitung)
MAINZ-BINGEN – Seit etwa zwei Wochen ist Thomas Milde in besonderer Mission unterwegs. „Ich möchte, dass geltendes Recht umgesetzt wird“, sagt er. Nicht mehr, nicht weniger. Sein Ziel ist einfach und doch hochkomplex: Kindern und Jugendlichen wieder ein adäquates Vereinstraining ermöglichen. Milde ist Fußballvater, sein Sohn spielt in der D-Jugend von Hassia Bingen und leidet wie alle Nachwuchssportler unter den Beschränkungen, die die Corona-Pandemie für das Vereinstraining gebracht hat.
Rückblende: Der Kampf begann Ende April, denn die sogenannte Bundesnotbremse bedeutete für Kinder bis einschließlich 13 Jahren tatsächlich Lockerungen. Ab Montag, dem 3. Mai, sollte daher in Fünfergruppen wieder im Freien trainiert werden dürfen. In Mainz, so teilte es die Stadt frühzeitig mit, durften acht Fünfergruppen mit jeweils einem Trainer zeitgleich auf ein Großspielfeld, wie man es vom Fußball kennt. Die Voraussetzung: Durch Pylonen, Bänder oder andere Markierung sind die Felder klar voneinander abgegrenzt.
Erst Protest, dann eine gemeinsame Lösung
Auf eine ähnliche Vorgehensweise stellten sich die Klubs im Kreis ein. Doch die Kreisverwaltung Mainz-Bingen als Träger der meisten Plätze durchkreuzte diese Pläne (wir berichteten) zunächst. Lediglich eine Fünfergruppe sei zulässig, teilte man mit. „Damit konnte ich nicht leben“, sagt Thomas Milde, der sich hernach aktiv in die Entscheidungsprozesse im Kreis einmischte. Nicht sein Job, sondern vielmehr eine Herzensangelegenheit und sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Gemeinsam mit Eva und Tilo Immerheiser, deren beide Söhne ebenfalls für die Hassia spielen und die beinahe seit Beginn der Pandemie konstruktiv nach Wegen suchen, die Kids schnellstmöglich wieder auf den Sportplatz zu bekommen. Beim Ordnungsamt Bingen und dem Ministerium des Innern und für Sport wurden das Trio vorstellig, übernahmen quasi die Rolle des Vermittlers zwischen den Behörden, bevor sie sich erneut an die Kreisverwaltung wandten. „Die Kommunikation lief vorbildlich, trotz der ganzen übrigen Baustellen“, loben die Initiatoren den Einsatz aller Beteiligten in den vergangenen zwei Wochen.
Großspielfeld darf geviertelt werden
In denen ist viel passiert, nicht zuletzt, weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Mainz-Bingen nun konstant unter 100 liegt. „Uns ging es einfach darum, das positiv erlebte nach außen zu tragen. Die Zustimmung und die Unterstützung, die wir in den Gesprächen mit den Behörden erhalten haben, wollten wir schnellstmöglich umsetzen, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen“, sagt Thomas Milde, der ausdrücklich betont: „Unsere Motivation galt nicht nur den Kids bei Hassia Bingen. Alle Kids und Vereine im Kreis sollen davon profitieren.“
Das ist nun offensichtlich gelungen, denn die Unstimmigkeiten zu den Aufteilungsmöglichkeiten von Fußball-Großfeldern ist beseitigt. „Die bisherige strengere Auslegung der vom Land ausgegebenen Regelungen im Kreis Mainz-Bingen sollte keineswegs die Kinder vom Sport abhalten und die Vereine verärgern“, betont Bardo Faust, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Grund für die strengere Auslegung sei alleine der Gesundheitsschutz und die damit einhergehende Rechtssicherheit gewesen, weil die Landesverordnung unterschiedliche Interpretationen zugelassen habe. „Auf unsere dringende Bitte hin hat das Land diesen Passus nun konkretisiert, weshalb es für den Kreis jetzt keinerlei Grund gibt, dem nicht zu folgen“, erklärt Faust. Stefan Christmann, Referatsleiter Grundsatzfragen des Sports, Sportförderung und Sportstättenbau im Ministerium, hatte in diesem Fall zugesichert, dass ein Großspielfeld „durchaus in vier gleich große Teilspielfelder unterteilt werden“ kann.
Dank weiterer Lockerungen nun auch mit Kontakt
Dieser Empfehlung folgte nun auch die Kreisverwaltung, was konkret bedeutet: Vereinstraining im Freien ist im Kreis Mainz-Bingen seit Mittwoch in 20er-Gruppen möglich. Das gilt für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahren. Speziell auf einem Großspielfeld können zeitgleich maximal vier 20er-Gruppen trainieren. Voraussetzung dafür ist die deutliche Kennzeichnung und Abgrenzung der vier Teilspielfelder, etwa durch Pylonen oder Bänder sowie die klare Trennung der Trainingsgruppen beim Weg auf und von der Sportanlage. Weil am Dienstag auch noch die Landesregierung mit ihrem dreistufigen Perspektivplan aufploppte, darf bei den Kindern nun sogar mit Kontakt trainiert werden. Thomas Milde sowie Eva und Tilo Immerheiser sind erleichtert, ihre Kinder überglücklich. Der Einsatz des Trios, sowie Beharrlichkeit und Geduld im Austausch mit den Behörden haben sich gelohnt. Die Kinder und Jugendlichen im Kreis werden es ihnen danken…