„Das ist der Ansporn den Verein immer wieder voranzutreiben“
Oliver Wimmers über die Corona-Pandemie, die Bedeutung des Nachwuchsfußballs bei Hassia Bingen & den Ausblick auf die anstehende Saison!
Die Lage in der Pandemie dreht sich so langsam in eine positive Richtung. Hand aufs Herz – Wie sehr fieberst du der neuen Saison entgegen?
Ich kann es kaum erwarten! Im Jugendbereich wird wieder trainiert – es ist einfach schön zu sehen, dass die Verantwortlichen wieder aktiv sind – dass sie ihrer Aufgabe wieder nachgehen können und auch die erste Mannschaft fängt ja bald wieder mit dem Training an!
Was hast du am meisten vermisst?
Einen ordentlichen Heim- oder Auswärtssieg feiern zu können. Mich begeistert es einfach, welche Emotionen der Fußball auslösen kann! Es ist einfach eine Achterbahn der Gefühle. Diese Emotionalität, diese enge Bindung zu vielen Menschen, welche man über Jahre aufgebaut hat, das fehlt am allermeisten.
Die Pandemie hat den Vereinen aber auch wehgetan. Wie hast du das als Präsident wahrgenommen?
Ehrlicherweise war es in vielerlei Hinsicht eine große Enttäuschung, wie sehr wir als Verein von der Politik, aber auch von den Verbänden allein gelassen worden sind. Es wurde uns so viel Unterstützung zugesichert und am Ende war es viel heiße Luft. Vereinsstrukturen kann man wieder reaktivieren – aber gerade im finanziellen Bereich stehen wir noch vor vielen großen Herausforderungen. Die letzten Monate haben uns schon sehr wehgetan. Gerade wir als Amateurverein – der auf viele kleinere Sponsoren setzt, hat daran schon ganz schön zu knabbern. Großartig war jedoch, wie solidarisch sich unsere Sponsoren gezeigt haben. Das war schon ausgezeichnet!
Und mit Blick auf die sozialen Kontakte?
Man merkt in solchen Ausnahmesituationen einfach was den Menschen eigentlich alles fehlt. Auch was man Menschen als Verein gegeben hat. Jemandem die Hand zu geben, ihm dabei in die Augen zu schauen und einfach diese soziale Nähe zu haben. Gerade bei den älteren Mitgliedern fehlt einfach was. Und nicht zu vergessen unser Stammtisch! Ganz schlimm, dass der weggefallen ist! Ich bin froh, dass das so langsam alles wieder möglich ist.
Die Sehnsucht nach einem Heimspiel ist bei allen Fußballvereinen in der Region groß. Glaubst du an einen Zuschauer-Boom?
An einen Zuschauer-Boom nicht unbedingt. Ja, ich glaube es werden wieder mehr Zuschauer kommen. Der Fußball ist nach wie vor populär, hat enorme Strahlkraft. Ich denke, der Amateurfußball wird bei vielen eine noch größere Bedeutung bekommen. Zumal man im Amateurbereich mehr Sicherheit vermitteln kann – besser als in großen Arenen! Wir hatten letztes Jahr schon ein sehr gutes Hygiene-Konzept. Außerdem besitzen wir das große Glück ein Stadion zu haben, das im Optimalfall 5.000 Zuschauer fasst. Da kann man ohne Bedenken und mit Sicherheitsabstand auch gerne 500 Zuschauer begrüßen!
Fußball ist ein Sport für alle – insbesondere für unsere Kinder. Wie sehr hast du dich gefreut, als du gehört hast, die Kids dürfen wieder ran?
Das die Kinder die ersten waren – freut mich natürlich sehr. Es ist einfach schön zu sehen, dass wieder Bewegung in das Vereinsleben kommt. Zu Beginn habe ich mir auch einige Trainingseinheiten angeschaut. Wenn du dann in diese Kinderaugen schaust und siehst diese Freude und diesen Spaß! Ganz offen: Das ist der Ansporn den Verein immer wieder voranzutreiben – immer mehr anzubieten & den Kindern in der Region ein zweites zu Hause zu geben!
Welche Bedeutung genießt der Jugendfußball am Binger Hessenhaus?
Es ist das Herzstück des Vereins! Wir sind ein sehr junger Verein. Das hat natürlich auch mit dem vorangetriebenen Generationenwechsel zu tun! Doch es sind nicht nur die vielen neuen Kinder und Jugendlichen, die zum Verein stoßen. Es sind auch viele Betreuer und Eltern, die Spaß haben im Verein was zu bewegen! Auch wenn das leider ab und an in der öffentlichen Wahrnehmung etwas untergeht. Ich denke aber schon, dass es so langsam sichtbar wird, was wir vorhaben! Die Hassia ist auf dem Weg dahin zu gehen, woher sie mal gekommen ist. Wir möchten hier unserer Rolle gerecht werden! Das größte Problem hierbei ist nur: Es geht nur mit Menschen, die mit anpacken wollen! Es ist allerdings immer schwieriger, solche Menschen zu finden. Helden des Alltags zu gewinnen, braucht seine Zeit.
Wie können wir es in Zukunft schaffen, insbesondere den Blick auf unsere Jüngsten nicht zu verlieren?
Gute Frage – wenn ich überlege, in welchem Spannungsfeld Eltern und Kinder heutzutage stehen, fällt mir die Antwort nicht ganz einfach. Es ist nicht leicht heutzutage eine Familie zu gründen. Der Beruf, die Verantwortung sowohl finanziell als auch familiär. Ich denke, manche Eltern bräuchten einfach mehr Freiraum. Ein Verein kann für Entlastung sorgen – nur er benötigt auch die Mittel dafür! Wieso können wir nicht im Breitensport ebenfalls Hausaufgabenbetreuungen einführen oder Nachhilfe anbieten? Strukturell würde das alles funktionieren – doch wir sind hier natürlich auch auf finanzielle Unterstützung aus der Politik angewesen.
Die Hassia hat die Corona Pandemie genutzt, um sich breiter aufzustellen. Insbesondere auch im Jugendbereich. Wo möchte der Verein in Zukunft im Nachwuchsbereich hin?
Wir konnten uns in den vergangenen Monaten ein wenig breiter aufstellen. Auch während des Lockdowns und der fußballfreien Zeit, haben unsere Trainer und Betreuer alles versucht, um unserem Nachwuchs das bestmögliche Angebot anzubieten. Online-Trainingseinheiten, Online-Challenges und vieles mehr.
Der Nachwuchs ist uns sehr wichtig, jedoch stehen wir vor der Herausforderung den Spagat zwischen Breiten- und Leistungsfußball zu meistern. Wir möchten auf der einen Seite bestmöglichen Fußball anbieten – wollen aber auch gleichzeitig jedem die Möglichkeit geben – Fußball zu spielen!
Die erste Mannschaft hat ebenfalls nicht geschlafen – einige Hochkaräter sind ans Hessenhaus gekommen? Ist es vor allem die Tradition, die den Standort Bingen so interessant für viele Spieler macht?
Ich denke mal die Liga hat an Qualität gewonnen. Viele Traditionsvereine in der Oberliga wie die TuS Koblenz oder auch Eintracht Trier sorgen für Attraktivität. Das macht schon Spaß. Wir haben es aber auch geschafft, den Spielern ein Gesamtpaket anzubieten, welches überzeugt. Außerdem wird Hassia Bingen mittlerweile auch als Sprungbrett für viele junge Fußballer gesehen. Hier haben sie die Aufmerksamkeit – hier können sie sich für höhere Aufgaben empfehlen. Denn auch wir arbeiten nach wie vor mit einem überschaubaren Budget. Es geht nicht nur ums Geld. Es geht um die Angebote rund um die Mannschaft. Hier haben wir in den letzten Jahren einiges reingesteckt. Da sind schon viele Spieler positiv überrascht, was sie alles auffinden, wenn sie bei Hassia Bingen spielen.
Blicken wir nach vorne. Welche Ambitionen hat die Mannschaft rund um Thomas Eberhardt für die kommende Saison?
Ich glaube wir alle haben die Ambitionen, dass schöner attraktiver Angriffsfußball gezeigt wird. Nach dem Aufstieg in die Oberliga, war uns allen bewusst, dass die ersten 1-2 Jahre nicht einfach werden. Wir haben uns aber mittlerweile in der Oberliga etabliert – möchten im gesicherten Mittelfeld landen und dann schauen wir mal, was in der Saison noch so passiert.